Das Kind will vegan werden
- Jana Barth

- 28. Apr.
- 4 Min. Lesezeit
Ein unerwarteter Essenswunsch
Als das Kind von der Freundin nach Hause kommt, bemerke ich sofort, dass es etwas anders ist. Es hat plötzlich keine Lust mehr, den Rollbraten zu essen. Ich frage mich, was dahinterstecken könnte.
Ist es vielleicht Liebeskummer? Oder kündigt sich eine Grippe an? Vielleicht hat es auch Prüfungsangst?
Kommt dir das gerade bekannt vor?
Solche Veränderungen im Essverhalten können oft ein Zeichen für tiefere emotionale oder körperliche Probleme sein.
Es ist wichtig, die Gründe für diese plötzliche Abneigung zu verstehen, um dem Kind die nötige Unterstützung bieten zu können.
In solchen Momenten ist es entscheidend, sensibel und aufmerksam zu sein. Kinder drücken oft ihre Emotionen und Sorgen auf subtile Weise aus, und das Essverhalten kann ein Indikator für deren innere Welt sein. Daher ist es ratsam, die Situation ernst zu nehmen und sich um das Wohlergehen des Kindes zu kümmern.
Stichpunkte für Eltern
Beobachte die Stimmung des Kindes: Gibt es Anzeichen von Traurigkeit oder Unruhe?
Frag nach: Was beschäftigt das Kind? Gibt es etwas, das es belastet?
Achte auf körperliche Symptome: Hat das Kind Fieber oder andere Anzeichen einer Krankheit?
Ermutige dein Kind, über seine Gefühle zu sprechen: Oft hilft es, einfach zuzuhören.
Sei geduldig: Manchmal braucht es Zeit, bis Kinder bereit sind, sich zu öffnen.
Es kann auch hilfreich sein, gemeinsam alternative Essensoptionen zu besprechen, die deinem Kind möglicherweise besser schmecken. Manchmal sind es nur kleine Änderungen, die einen großen Unterschied machen können. Ein offenes Gespräch über Vorlieben und Abneigungen kann nicht nur die Essenssituation entspannen, sondern auch das Vertrauen zwischen Eltern und Kind stärken.
Insgesamt ist es wichtig, in solchen Situationen empathisch und verständnisvoll zu reagieren. Einfühlungsvermögen und Unterstützung können dem Kind helfen, sich sicherer zu fühlen und seine Gedanken und Gefühle auszudrücken. So kann das Familienessen nicht nur eine Nahrungsaufnahme, sondern auch eine wertvolle Gelegenheit für Austausch und Nähe werden.
Und dann erfährt man auf Nachfrage: es ist noch schlimmer als gedacht! Das Kind will fortan vegan leben.
Und nun?
Möglichkeiten entdecken
Veränderungen machen Angst und der Verzicht auf tierische Produkte ist eine große Veränderung, auch wenn es erstmal nur ein Familienmitglied betrifft. Innerhalb der Familie kommt es mitunter zur Anspannung, zu Unsicherheiten und Eltern wissen oft nicht, wie sie mit ihren Kindern umgehen können, um ihre Gesundheit sicherzustellen, sie allerdings auch nicht unter Druck zu setzen. Das klingt nach einem beinahe unbewältigbaren Hindernis, nicht wahr?
Kritische Nährstoffe
In der veganen Ernährung gibt es mehrere Nährstoffe, die als potentiell kritisch angesehen werden, d.h. die eventuell nicht ausreichend über die Nahrung aufgenommen werden können. Eine Mangelernährung (auch latent) kann Entwicklungsschäden nach sich ziehen und Spätfolgen provozieren. Deswegen ist es sinnvoll, auf die wichtigsten Nährstoffe zu achten.
Calcium ist in pflanzlichen Produkten eher in geringen Mengen enthalten. Es gibt inzwischen viele Produkte, die mit Calcium angereichert sind, z.B. Alpro (alle Produkte). Meine Empfehlung ist auf ein kalziumhaltiges Mineralwasser zurückzugreifen – bitte aus der Glasflasche.
Vitamin B12 kann nicht ausreichend aus pflanzlichen Nahrungsmitteln aufgenommen werden. Es ist daher notwendig, es zu supplementieren. Einzelpräparate reichen i.d.R. aus. Alternativ kann eine Zahncreme mit B12 verwendet werden, da B12 auch über die Schleimhäute aufgenommen wird. Übrigens braucht man sich in der Anfangszeit keine Sorgen über einen Mangel machen, der menschliche Körper verfügt über einen Vitamin-B12-Speicher mit Vorrat von bis zu 3 Jahren.
Eisen wird ebenfalls schlechter aus pflanzlichen Lebensmitteln aufgenommen. Wichtig ist, dass gleichzeitig keine Eisenaufnahme hemmenden Lebensmittel (z.B. zinkhaltige Lebensmittel wie Vollkornbrötchen) aufgenommen werden sollten. Eine Karenz von 3 Stunden ist ausreichend. Die empfohlene Tagesdosis von 15mg sollte nicht unterschritten werden.
Protein gilt als kritischer Makronährstoff der veganen Ernährung. Achtet man auf die biologische Wertigkeit (Ei = 100), kann man etwas über die Qualität des Nahrungseiweises herausfinden und Lebensmittel gezielt kombinieren. Somit kann auch in einer rein pflanzlichen Ernährung eine ausreichende Versorgung mit allen nötigen Aminosäuren und komplexen Proteinen sichergestellt werden.
Z.B. Bohnen und Vollkornreis, Linsen und Vollkornbrötchen, Hummus mit Pita, …
Tipp: Nüsse sind eine gute Proteinquelle und liefern wichtige Fettsäuren. Immer wieder Nüsse anbieten!

Allgemein
Auf dem Speiseplan dürfen täglich Hülsenfrüchte wie Linsen stehen (50 – 75g), Kichererbsen sind schmackhaft, können vielseitig zubereitet werden und liefern hochwertiges Protein, täglich ein bis zwei Hände Nüsse sind empfehlenswert. Fällt es mit dem Obst schwer, können Smoothies eine elegante Lösung sein, die Zufuhr zu erhöhen und neue Geschmacksrichtungen auszuprobieren. Obst kann sowohl frisch als auch schockgefrostet gekauft werden.
Öle: Ich empfehle die Verwendung von hochwertigen Raps-, Oliven- und Leinölen.
Zusätzlich können sporadisch kleine Kuren mit Bierhefetabletten gefahren werden (ganze Familie). 4x täglich vier Tabletten mit ausreichend Flüssigkeit für 10 bis 14 Tage.
Ich bin sicher, die Umstellung kann sehr nervenaufreibend sein und deswegen habe ich dir einfach mal ein paar Punkte aufgeschrieben, an die du vielleicht noch nicht gedacht hast und die deine Sichtweise auf deinen Spross vielleicht etwas verändern.

Vorteile veganer Kinder
Bildung eines eigenen Ethikgefühls
Hohes Maß an Disziplin (übertragbar, bitte auf Druck verzichten)
Übernahme sozialer Verantwortung
Stärkung der Selbstwirksamkeit
Möglichkeit sich in sachlicher Argumentation zu üben (wichtig für Schule und Beruf)
Stupsen zu ehrenamtlichen Betätigungen (z.B. Tierheim, Spenden sammeln, ect. – gut für den Lebenslauf)
Frühzeitige Beschäftigung mit der Ernährungsweise und der Lebensmittelauswahl (Möglichkeit zur Prävention)
Die ganze Familie darf mal einen Blick über den Tellerrand hinauswerfen
Miterleben der Selbstfindungsphase möglich, wenn man sich darauf einlässt
Entdecken neuer Restaurants
Chance, das Kind als eigenständige Person wahrzunehmen – eure Beziehung kann sich entwickeln und der Abnabelungsprozess kann harmonisch verlaufen
Präventive Ernährungsweise und damit deutlich niedrigeres Risiko Zivilisationskrankheiten zu entwickeln
Gemeinsame Aktivitäten trotz Pubertät planen und Spaß dabeihaben (z.B. auf ein Erdbeerfeld gehen)
Möglichkeit, sich als Familie neu zu definieren
Ich bin mir sicher, ihr findet noch tausend weitere tolle Eigenschaften an eurem Kind. Kommt ins Gespräch und findet eure gemeinsame Esskultur!
Dieser Beitrag wurde mit KI generiert.



Kommentare